Biografie
Rudolf Hurni, Leben und Werk
Von der Geburt bis zum Lehrabschluss
Rudolf Hurni wurde am 20. September 1914 in Studen bei Biel/Bienne als zweitjüngster von 11 Geschwistern geboren. Hatten seine Grosseltern noch einen bäuerlichen Hintergrund, arbeitete sein Vater als Konstruktionszeichner in einer auf Brückenbau spezialisierten Firma, bei den Alpha-Werken in Nidau. Als Rudolf vier Jahre alt war, starb seine Mutter. Schon klein Rudolf war stets begeistert von Schaufenstern und Plakaten. Auch er wollte ein Plakatmaler werden. Trotz familiärem Widerstand begann Rudolf Hurni nach seinem Schulabgang in Biel eine Schriftenmalerlehre, welche er wegen der Aufgabe des Geschäfts seines Lehrmeisters im dritten Jahr in Bern abschliessen konnte.
Chronologische Biografie
• 1932 Nach Abschluss seiner Lehre arbeitete Hurni vorerst im erlernten Beruf als Schriftenmaler und Grafiker in Bern.
• 1934 Zur Weiterbildung belegte er an der Kunstgewerbeschule in Brüssel einen Kurs. Nach acht Monaten brach er den Aufenthalt in Brüssel ab. Er war der Meinung, dass der belegte Kurs nicht besser war als das, was er in der Schweiz gelernt hatte. Also kehrte er nach Bern zurück.
• 1935 – 1938 Erneut arbeitete er wieder als Schriftenmaler und Grafiker in Bern. In dieser Zeit verkehrte Hurni im Haus am Kistlerweg 6. Dort lernte er Paul Klee kennen. Dieser lud ihn zu einem Besuch in sein Atelier ein. Diese Begegnung prägte ihn nachhaltig. Um frei zu bleiben, vermied er Festanstellungen, legte jeden zu entbehrenden Franken beiseite, um sich mit dem Ersparten in Berlin und Paris weiterbilden zu können. So oft als möglich reiste er in diese Städte, um dort für sich zeichnen und malen zu können.
• 1939 In Zürich waren die Vorbereitungen für die Landesausstellung im Gang. Dort war er mit gestalterischen Arbeiten beschäftigt. Dabei kam er in Kontakt mit den besten Schweizern der damaligen Zeit in seinem angestammten Beruf.
• 1939 – 1945 Anlässlich der Mobilmachung, wegen dem Beginn des zweiten Weltkrieges, wurde Hurni in den militärischen Hilfsdienst eingezogen. Als HD-Soldat arbeitete er als Magaziner im Flugzeugkonstruktionswerk des Waffenplatzes Thun.
• 1945 – 1951 Nach Ende des Kriegsdienstes, wieder in Bern, besuchte er, neben den Arbeiten für diverse Firmen, auch Kurse in der Kunstgewerbeschule in Bern. Danach verlegte Hurni sein Domizil nach Aarau und eröffnete ein eigenes Grafikatelier. Fortan betätigte er sich überregional als Schriftenmaler. Nebenbei besuchte er auch noch Kurse in der Kunstgewerbeschule in Zürich. Nebenberuflich beginnt er mit dem Malen. Es entstanden die ersten Kunstwerke.
• 1951 Ab November wechselte Hurni den Wohnsitz nach Zürich. Er betrieb dort ein eigenes Atelier für Grafik. Als Wochenaufenthalter bewohnte er in Bern als Untermieter bei einer befreundeten Familie ein Zimmer. In dieser Zeit war er unter anderem in Bern, im neuen Aarbergerhof, in den provisorischen Studioräumen, für die Demonstrationssendungen des neuen Mediums Fernsehen mit gestalterischen Arbeiten beschäftigt. Für die Firma Alder Gipserei/Malerei an der Gutenbergstrasse, schuf er an der Gebäudefassade ein Firmenloge, den imposanten Wappenbär. Leider musste das betreffende Gebäude später einem Neubau weichen.
• 1952 Beschriftete er unter anderem die Firmenfahrzeuge seiner Logisgeber. Obwohl er seine Tätigkeiten auf Zürich konzentrierte, brach er den Kontakt mit der Familie in Bern nie ab.
• 1955 Hurni wurde Mitglied der GSMBA, (ab 1. Januar 2001 VISARTE) Sektion Zürich. Anlässlich von Aufenthalten in Paris und Südfrankreich entstanden Stillleben, Atelierinterieurs, Städte– und Hafenbilder.
• 1958 Es folgte die erste Teilnahme an einer Gruppenausstellung mit den Zürcher Künstlern im Helmhaus Zürich.
• 1961 Hurni bezog die Atelierräumlichkeiten an der Hofstrasse in Zürich. Die erste Einzelausstellung mit nahezu 50 Werken folgte in der Kunstkammer Strauhof Zürich.
• 1962, 1963 Hurni erhielt drei Kunstförderbeiträge des Kantons Zürich und unternahm in der Folge mehrere Reisen nach Italien, in die Toscana (Florenz, Siena, Assisi, Arezzo), teilweise mit seinem Künstlerfreund Willi Hartung. Dort wurde er nachhaltig von Giotto und den italienischen Primitiven beeindruckt. Darauf entstanden stark vereinfachte und verinnerlichte Frauenbildnisse.
• 1964 Nach der Studie der Werke von Jean-Baptiste Cardin und Giorgio Morandi reifte der Entschluss, sich auf figurative Stillleben zu konzentrieren.
• 1965 Erfolgte schrittweise die Aufgabe des Berufs als Schriftenmaler und Hurni wechselte zum freischaffenden Künstler.
• 1968 Ab dieser Zeit fand praktisch alle Jahre mindestens eine Ausstellung statt.
• 1969 Wurde ihm anlässlich einer Ausstellung im Salon national, MUSÉE D’ART MODERNE DE PARIS, eine Auszeichnung mit Diplom und der Silbermedaille «de la Ville de Paris» überreicht.
• 1982 Im Alter von 68 Jahren schuf Hurni das letzte figurative Bild. Er erkrankte schwer und wurde operiert. Während dem Erholungsaufenthalt in Heiden langweilte er sich sehr. Ohne das Pflegepersonal zu informieren, reiste er nach St. Gallen und beschaffte sich dort Malutensilien. Noch im Sanatorium begann er mit dem konsequenten Übergang zur konstruktiven Malerei. Es entstanden die ersten einfachen geometrischen Bildordnungen, welche er auch nach seiner Genesung weiter verfolgte.
• 1983 Als der Vater der befreundeten Familie in Bern verstarb, entstand für Hurni ein neuer Lebensabschnitt. Er gestand seiner ehemaligen Logisgeberin, dass er sich schon in den Fünfzigerjahren in sie verliebt hatte. In der Folge entstanden die sogenannten Liebesbriefe. Es handelte sich um konstruktive Werke, teils in Postkartenformat, welche unverpackt und frankiert per Post den Weg nach Bern fanden.
• 1984 Hurni entwickelte seine konstruktiven Objekte immer mehr. Anfänglich entstanden flache Quadrate und Rechtecke, später auch Stangen und dreidimensionale Stelen. Künftig pendelte er jeweils an den Wochenenden von Zürich nach Bern oder ins Tessin zu seiner Angebeteten.
• 1989 Hurni war Mitbegründer der Gruppe X in Zürich.
• 1989 Im Auftrag der Firma Chocolat Camille Bloch SA kreierte er im Rahmen von Ragusa Art, der Förderung von Kunst und Künstler, die zweite Ragusa Künstlerpackung mit einer Auflage von 25000 Exemplaren.
• 1989 Ausstellung in der Galerie Verena Müller in Bern. Zum 75. Geburtstag erschien die 1. Monografie „Rudolf Hurni“ von Gerhart Piniel, welche sein Gesamtwerk einem breiteren Publikum bekannt machte.
• 1991 –1992 Hurni gewann den Wettbewerb Kunst am Bau. Für die Firma Vorwerk International AG in Wollerau realisierte er Objekte für die Gestaltung im Treppenhaus (Farbkomposition auf drei Textilbahnen). Ferner gestaltete er, anlässlich der 100-Jahr-Feier, die Aula der Gemeindeverwaltung in seinem Geburtsort Studen.
• 1990 – 1994 Es entstanden Kunstkataloge über Hurni anlässlich Ausstellungen im Pavillon Werd,
SBG Zürich.
• 1994 Zum 80. Geburtstag von Hurni erschien die 2. Monografie von Peter Killer. Diese enthält ausschliesslich konstruktive Werke. Dieses Buch erhielt unter Jurypräsident Dr. Beat Koelliker, die Auszeichnung „Die schönsten Schweizer Bücher 1994“.
• 1994 – 1996 Für den Pendo Verlag entstanden diverse Bucheinbände mit Früchtestilleben, sowie Buchumschläge mit konstruktiven Motiven. Anlässlich einer Semesterarbeit im Fach Deutsch der HWV in Bern, entstand von Albano Bernasconi die Studie «Ein Farbobjekt von Rudolf Hurni», inklusive einem Interview mit dem Künstler. Eine bedeutende Einzelausstellung fand in der Galerie Proarta, Zürich statt.
• 1998 – 2000 Hurni lebte und arbeitete weiterhin an der Hofstrasse in Zürich. Er verbrachte jedoch die Wochenenden stets als Pendler in Bern oder im Tessin. An beiden Orten betrieb er inzwischen seine Zweigateliers. Er beteiligte sich an weiteren Einzel- und Gruppe X-Ausstellungen. Als ältester Aussteller nahm er mit eigenem Stand am Swiss Artists Forum der BERNEXPO teil.
• 2000 Hurni erlitt Anfangs Jahr in Bern einen Herzinfarkt und konnte nach dem Spitalaufenthalt nicht mehr allein nach Zürich zurückkehren. Die Konsequenz war die Aufgabe seiner Wohnung und des Ateliers in Zürich, sowie der definitive Umzug, inklusive seinem ganzen Inventar, nach Bern. Inzwischen recht gut genesen, nahm er im Sommer seine Arbeit im neu eingerichteten Atelier mit Galerie in Bern wieder auf.
• 2001 Vom 6. Mai – 1. Juli fand die Ausstellung über sein ganzes Lebenswerk, gemeinsam mit dem Eisenplastiker Walter Linck, in der Fondation Saner Studen statt. Darüber erscheinen zahlreiche Zeitungsartikel in der ganzen Schweiz. Im TeleBielingue von Biel wurde ein Beitrag über die Ausstellung und ein Interview mit Hurni gesendet. In der Fondation Saner in Studen erfährt er die letzte persönliche Ehrung zu Lebzeiten für sein Lebenswerk.
• 2002 Im November erlitt er einen schweren Sturz mit einem Oberschenkelhalsbruch. Die Folge war ein Spitalaufenthalt. Nach der
Entlassung aus dem Spital hatte er sich nie mehr richtig erholt.
• 2003 Im März musste Hurni wegen eines Schwächeanfalls erneut ins Spital eingeliefert werden, wo er am 2. April verstarb.
